Geschichte lebendig machen – das war das Ziel eines besonderen Medienprojekts, das im Sommersemester 2026 am Zentrum für Medien und Kommunikation (ZMK) der Universität Passau realisiert wurde. Das Labor für Demokratiebildung organisierte und produzierte im TV-Studio ein bewegendes Zeitzeugeninterview. Die Idee ist einfach, aber wirkungsvoll: Studierende sollen nicht nur über die Geschichte der DDR lernen, sondern sie sozusagen in ein Klassenzimmer holen.
Von der Theorie zur Praxis: Ein Projekt mit Tiefgang
Als Interviewpartner standen Dr. Elke und Bernd Dämmrich zur Verfügung, die in der DDR wegen eines Fluchtversuchs inhaftiert, von ihren Kindern getrennt und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden waren. Ihre persönliche Geschichte wurde im TV-Studio des ZMK aufgezeichnet.

Das Videomaterial des dreistündigen Gesprächs dient Studierenden in kommenden Semestern als Grundlage für die didaktische und visuelle Aufbereitung von offenem Lehrmaterial für Schulen zu Themen wie Freiheit und Unfreiheit in politischen Systemen, Menschenrechten und politischem Handeln.
Die Fragetechnik folgte dabei den Prinzipien der Oral History: Statt suggestiver Fragen gab es einen Leitfaden, der Raum für persönliche Erzählungen bot. So wurden nicht nur historische Fakten transportiert, sondern auch Emotionen und individuelle Perspektiven sichtbar – ein entscheidender Mehrwert für jeden, der sich später mit dem Material auseinandersetzt.
Hinter den Kulissen: Ein Zusammenspiel aus Technik und Didaktik
Damit das Interview fachlich anspruchsvoll und gleichzeitig nachbearbeitbar blieb, arbeiteten das Labor für Demokratiebildung und das Medienzentrum eng zusammen. Während das Gespräch von der Projektleiterin geführt wurde, kümmerten sich die Fachleute des ZMK um Setting, Aufnahme, Beleuchtung und Ton.

Besonderes Augenmerk lag darauf, dass Schülerinnen und Schüler später eine unmittelbare Begegnung mit der Geschichte erleben könnten. Deshalb entschied man sich bewusst gegen einen künstlich wirkenden Greenscreen und setzte stattdessen auf ein schlichtes Studio-Setting mit schwarzem Hintergrund. So wurde eine entspannte Atmosphäre geschaffen, in der die Zeitzeugen sich öffnen konnten, damit der Fokus ganz auf den erzählten Erlebnissen blieb.
Damit alle Aspekte des Gesprächs eingefangen werden konnten, wurde mit zwei Kameras eine statische Totalaufnahme und eine flexible Nahaufnahme gedreht. Diese zwei Kameraperspektiven ermöglichen später eine vielseitige Nutzung des Materials.
Fazit: Ein Projekt mit Vorbildcharakter
Das Projekt zeigt, wie Wissenschaft und Medienpraxis Hand in Hand gehen können. Es verfolgt zwei Ziele und bereichert nicht nur Seminarteilnehmende, sondern auch Schülerinnen und Schüler: Zum einen sammeln die Studierenden medienpraktische und didaktische Kompetenzen, zum anderen entsteht durch das Interview hochwertiges Lehrmaterial, das Schulen nutzen können.

